Maschinenüberwachung für kleinere Unternehmen
Eine Plattform für mehr Durchblick
Die großen Maschinenbauer haben ihre eigenen Plattformen, verfügen über Ressourcen in der Softwareentwicklung und stellen ihren Industriekunden erste digitale Services zur Verfügung. Doch wie schafft das der kleine oder mittelgroße Maschinenbauer? Die Entwickler von Lenze fokussieren mit ihrem Plattform-Gedanken genau diese Zielgruppe.
 Das OEE & Downtimetracking sorgt für mehr Transparenz im Produktionsprozess - ohne zusätzliche Hardware oder Sensoren. 
Die Ergebnisse werden 
auf vorkonfigurierten Dashboards visualisiert.
Das OEE & Downtimetracking sorgt für mehr Transparenz im Produktionsprozess – ohne zusätzliche Hardware oder Sensoren. Die Ergebnisse werden auf vorkonfigurierten Dashboards visualisiert.Bild: ©Gorodenkoff/stock.adobe.com / Lenze SE

Viele kleinere Betriebe, etwa Sondermaschinenbauer, würden gerne digitale Zusatzangebote rund um ihre Maschinen anzubieten. Doch die Umsetzung neben dem Alltagsgeschäft gestaltet sich schwierig. Klaas Nebuhr verantwortet das Digitalportfolio des Hamelner Automatisierungsspezialisten Lenze. Er weiß: „Es fehlt in den Firmen nicht an Ideen, sondern an Experten sowie an Prozessen und Lösungen, die für den OEM wirtschaftlich sinnvoll und einfach zu adaptieren sind.“ Denn in den großen Ökosystemen und auf den Plattformen der Automatisierungsgiganten würden sich die vielen kleinen und mittleren Maschinenbauer oft nicht wiederfinden. „Die Maschine steht bei vielen im Mittelpunkt des Geschäftsmodells, deshalb wollen wir die Kerngeschäftsprozesse um die Maschine herum mit digitalen Geschäftsmodellen und Services unterstützen, eine Platform-as-a-Service“, so Nebuhr.

Noch eine Plattform? „Ja, aber eine, die offen ist für Erweiterungen, Anpassungen und Integration. Und das natürlich DSGVO-konform“, verspricht er. Er versteht sich mit seinem auf Azure laufenden PaaS-Angebot (Platform-as-a-Service) als Enabler für die KMUs. Lenze liefert sowohl die Komponenten als auch die Sicherheit, die Infrastruktur und erste Applikationen. Diese Applikationen könne der Kunde mit eigenen Funktionen individualisieren und Designs rebranden. „Anschließend kann er sie dann schlüsselfertig an seinen Kunden weitergeben und im nächsten Schritt gemeinsam mit dem Anwender verbessern.“ Lenze gehe mit dem Kunden den ersten Schritt hin zu digitalen Services. „Wir nehmen ihn an die Hand, weil wir dank unseres Asset Managements wissen, was für ihn und seine Kunden Sinn ergeben könnte. Wir sitzen mit unseren Komponenten direkt in der Maschine und kennen die Anwendungen sehr gut.“

OEE-Berechnung als erste Anwendung

Es geht Lenze um die Entwicklung von digitalen Produkten für die kleinen und mittelgroßen Maschinenbauer. „Startpunkt ist unsere OEE & Downtimetracking-Applikation“, berichtet Nebuhr. Denn: Die OEE (Overall Equipment Effectiveness) bereitet vielen Unternehmen immer noch Kopfschmerzen. Bei 80 Prozent sollte sie schon liegen, die Realität sieht oft anders aus. Es mangelt an Daten, aber viel öfter an deren Transparenz. Das ändert sich mit dem OEE & Downtimetracking. Es sorgt für mehr Transparenz im Produktionsprozess, und das ohne zusätzliche Hardware oder Sensoren. Die Lenze-PLC berechnet die OEE. „Wir arbeiten an einer Lösung, die auch andere PLCs berücksichtigt“, so Nebuhr.

Keine Raketenwissenschaft

Die Ergebnisse werden auf vorkonfigurierten Dashboards visualisiert. Das Downtime Tracking ist eine Ergänzung zur OEE-Lösung. Die OEE-Faktoren Verfügbarkeit und Performance lassen sich im Detail betrachten und maschinelle Stillstandszeiten sowie organisatorische Stillstände werden getrackt. Unter organisatorisch fällt auch, wenn die Maschine manuell angehalten wird oder beispielsweise mit reduzierter Geschwindigkeit läuft.

Lenze setzt bei der Kommunikation auf OPC UA und MQTT – auf diese Weise wird die Anschlussfähigkeit für Zukunftstechnologien gewährleistet. Der Datenfluss von der Steuerung bis in die Cloud ist sichergestellt und auch ohne Cloudanbindung können die Live-Daten in Echtzeit auf ein Human Machine Interface für mehr Transparenz und Motivation der Belegschaft geschickt werden. „Lokal schaffen wir einen Drei-Schicht-Vergleich, und in unserer Cloud können historische Daten bis zu sieben Jahre lang analysiert werden“, betont Nebuhr.

Er und die Entwickler sind sich sicher: Für den Maschinenbauer ist die Applikation ein einfacher Weg, um Maschinenleistung und -verfügbarkeit entsprechend den Bedürfnissen der Endkunden darzustellen. „OEE ist keine Raketenwissenschaft, der Clou liegt in der Bereitstellung und Distribution der Applikation, der nahtlosen Integration in die Hardware und der Idee, ein PaaS-Konzept aufzusetzen und dieses stetig weiterzuentwickeln.“ Der Endkunde kann dank der Daten seine Produktion erhöhen oder stabilisieren. Das OEE & Downtimetracking ist damit auch ein Weg, um Produktionsoptimierungen auf Basis von Daten durchzuführen. „Wir wollen keinen Lenze-Lock-in“, unterstreicht Nebuhr. Auch andere Unternehmen sind willkommen.

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