Maßgeschneiderte, digitale Serviceplattform
Insbesondere bei Service-Prozessen können Maschinen- und Anlagenbauer durch die Digitalisierung Mehrwerte schaffen und neues Potential erschließen. Jedoch ist das Knowhow, um unternehmensübergreifend Digitalisierungsprojekte zu steuern oder Synergien zu nutzen häufig nicht vorhanden. Eine ganzheitliche Infrastruktur soll künftig helfen, ungewollt hohe Kosten bei angestoßenen Projekten zu vermeiden.
Systemlandschaft der M2v-Assety-Plattform: die initiale Integration beider Bestandslösungen stellt die grundlegende Infrastruktur dar auf der weitere, spezifische Lösungen für Hersteller als auch für Betreiber erarbeitet werden können. Dank Schnittstellen zu weiteren Datenmanagementsystemen kann mit M2v-Assety ein holistischer Funktionsraum geschaffen werden, mit dem sich die digitalen Roadmaps von Unternehmen schrittweise, einheitlich und ohne Systembrüche umsetzen lassen.
Systemlandschaft der M2V-Assety-Plattform – Bild: Eurogard GmbH

Um dem entgegenzuwirken wollen die beiden Unternehmen Bauer+Kirch und Eurogard ein Konsortium mit ausgewählten Industriepartnern aufbauen. Ziel ist es, mit einem ganzheitlichen strategischen Ansatz eine Digitalisierungsinfrastruktur aufzubauen, mit der unternehmensübergreifend Prozesse rund um das Produkt und den dazugehörigen Service entwickelt und implementiert werden können. Das Besondere: Durch die bestehende Soft- und Hardware-Landschaft von Eurogard (Machine to Value – M2V) und der Serviceplattform (Assety) von Bauer+Kirch stellen markterprobte Digitalisierungslösungen die Basis für eine einheitliche Digitalisierungslösung vom Kunden-Shopfloor bis hin zur Einsatzplanung des Servicemitarbeiters dar.

Konventionelle Problemlösung

Wer kennt diesen Klassiker nicht. Sonntagvormittag fällt die Maschine beim Kunden aus und kann nicht weiter produzieren. Nach internem Trouble-Shooting wird der Maschinen- und Anlagenbauer kontaktiert – der von diesem Ausfall bisher noch nichts weiß. Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme via Telefon (Servicehotline), Mail oder Ticketsystem muss der Maschinen- und Anlagenbauer die kommunizierten Informationen bewerten und sich ein erstes Bild machen. Es werden Handlungsempfehlungen ausgesprochen, auf Manuals verwiesen, evtl. remote auf die Maschinensteuerung zugegriffen und wenn nötig der Kunde durch den Servicetechniker besucht. Wird ein Ersatzteil benötigt, findet man dieses im Katalog und kann das Teil telefonisch oder via Onlineshop bestellen. Mit einem zweiten Besuch des Service Technikers ist das Problem im besten Fall dann behoben. Der durch einen solchen Servicefall entstandene Aufwand ist sowohl beim Anlagenbauer als auch beim Betreiber sehr hoch. Laut einer Studie der Sourcing und Marketing Gesellschaft Thomas belaufen sich Stillstandskosten in der Automobilindustrie auf durchschnittlich 22.000$ pro Minute1. Neben den reinen Kosten ist der Servicefall aber auch sehr komplex. Es werden unterschiedlichste Medien und Tools verwendet – von Papieraufzeichnungen, digitalisierten Dokumenten über Softwareprogramme bis hin zu Digitalisierungslösungen wie Fernwartung. Diese Komplexität und die Systembrüche führen zu massiven Zeitverlusten, schlechter Servicequalität, unnötigen Kosten und somit zu Mitarbeiter- und Kundenunzufriedenheit.

Gebündelte Kompetenzen führen zu innovativen Lösungsansätzen

In vielen Gesprächen haben die beiden Unternehmen diese Problematik geschildert bekommen. In gemeinsamen Workshops wurde schnell klar, dass eine Integration der beiden bestehenden Lösungen eine vollumfängliche Abdeckung der Servicelandschaft darstellt. Und mehr noch: Durch die Kombination soll eine Plattform entstehen können, die weit mehr ist als nur die einfache Summe des Status Quo. Die neue Lösung stellt eine digitale Infrastruktur dar, auf der die unterschiedlichsten, unternehmensindividuellen Lösungen ohne Systembrüche entwickelt werden können. Ein wie oben beschriebener Servicefall kann problemlos durch die digitale Infrastruktur-Plattform M2V-Assety abgedeckt werden. Mit M2V-Assety kann der Maschinen- und Anlagenbauer konstant seine sich weltweit im Einsatz befindenden Maschinen überwachen, wird sekundenschnell über Zustandsveränderungen informiert und teilt relevante Daten und Handlungsempfehlungen digital dem Betreiber mit. Der gesamte nachgelagerte Serviceeinsatz kann proaktiv, transparent und effizient dank M2V-Assety vom Hersteller initiiert, oder vom Betreiber beauftragt werden. Proaktives Agieren dank konstanter Zustandsüberwachung mit entsprechenden Warngrenzen befähigen den Anlagenbauer und seine Kunden sogar Ersatzteile frühzeitig auszutauschen, sodass entsprechende Trouble Shooting Einsätze erst gar nicht entstehen.

Kundenindividuelle Lösungen durch einheitliche Infrastruktur

Die digitale Infrastruktur Plattform M2V-Assety entsteht durch die Integration der beiden bestehenden Systeme von Eurogard und Bauer + Kirch. Dabei stellt der prozessuale Ausgangspunkt immer die auf dem Shop Floor installierte Maschine oder Anlage dar, von der über die Edge Devices Maschinendaten ausgelesen und in die M2V-Assety Plattform übertragen werden. Hier werden die eingehenden Datenströme strukturiert, automatisch überwacht und Kennzahlen berechnet. Ein Service-Mitarbeiter kann sich die unterschiedlichsten Daten und Kennzahlen über ein browser- oder app-basiertes Dashboard visuell darstellen lassen und er sowie seine Kollegen werden aufgrund definierter Verteilerkreise über die für sie relevanten Zustände automatisiert informiert bzw. alarmiert. Die integrierte Fernwartungsfunktion ermöglicht dem Mitarbeiter im Servicefall den direkten Zugriff auf die Anlage und die visuelle Darstellung von Zeitreihen sowie R&I Schemata erlaubt die Rekonstruktion der Fehlerursachen.

Dank des integrativen Ansatzes kann über M2V-Assety auf alle weiteren Serviceparameter zugegriffen werden. Die integrierte Plattform ermöglicht die Berücksichtigung von Shop Floor Echtzeitdaten und bietet so viele Servicelösungen. Die in M2v-Assety hinterlegten Manuals, Ersatzteilkataloge, Service- und Reparaturhistorien stehen den Service-Technikern des Herstellers als auch Anlagenbediener beim Kunden unmittelbar zur Verfügung und es entstehen keine unnötigen Zeitverluste. Dezidierte Handlungsempfehlungen für den detektieren Servicefall beschleunigen die Umsetzung und passende Ersatzteile werden den Servicemitarbeitern vorgeschlagen und lassen sich direkt über einen angeschlossenen Onlineshop bestellen. Die gesamte administrative Abwicklung erfolgt automatisiert in M2V-Assety. Selbst sie Terminfindung zur Reparatur vor Ort beim Kunden kann der Mitarbeiter direkt über die Plattform koordinieren. Somit lässt sich der Aufwand eines Serviceeinsatzes reduzieren und die OEE erhöhen. Aufgrund der detaillierten und sofort abrufbaren Informationen lassen sich Serviceeinsätze auch von Personal durchführen, die mit der Anlage bisher nicht oder wenig vertraut sind.

Zusammen mit Anwendungspartnern wollen Bauer+Kirch und Eurogard das Kooperationsprojekt M2V-Assety initiieren. Die Anwendungspartner profitieren durch direkte Partizipation im Entwicklungsprozess, durch Mitbestimmung zu den ersten Funktionen der neuen Plattform und durch Kostenvorteile während des operativen Betriebs. Dank der beiden bereits bestehenden Plattformen und durch diesen kollaborativen Ansatz lassen sich innerhalb kürzester Zeit eine umfangreiche IIoT Infrastruktur aufbauen, IT-Entwicklungskosten einsparen und schnell ein hohes Maturity-Level erreichen. Interessierte Unternehmen können sich bis zum 31. Mai 2023 für das Projekt anmelden. Die Projektpartneranzahl ist auf fünf Unternehmen begrenzt. Die Umsetzungsphase dauert 12 Monate. Danach steht den Projektpartnern die M2V-Assety Plattform mit allen Funktionen zur Verfügung. Darauf aufbauend können individuelle Applikationen entwickelt und umgesetzt werden.

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