Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

Studie

Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

Die Wartung und Überprüfung von Produktionselementen ist in Zeiten der Smart Factory eine große Herausforderung. Mit Smart Maintenance kann diese Herausforderung gemeistert werden. Eine Studie von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML zeigt, wie weit deutsche Unternehmen bei der Umsetzung einer ‘intelligenten Instandhaltung‘ sind – und sie gibt Hinweise, wie sich Smart Maintenance zielgerichtet durchführen lässt.

Bild: Acatech – Dt. Akademie der Technikwissenschaften

Der Verkauf von Maschinen, Kraftwagen oder mechanischen Geräten macht einen großen Teil der deutschen Exportleistung aus. Dabei sorgen neue Technologien für eine intelligente und vernetzte Produktion und bringen für Unternehmen große Potenziale mit sich. Dabei spielt insbesondere die vorausschauende Instandhaltung der Produktionskomponenten eine zentrale Rolle. Eine Studie von Acatech und dem Fraunhofer IML gibt Aufschluss über den Reifegrad bisheriger Bemühungen, eine intelligente Instandhaltung in der Praxis zu etablieren. Insgesamt wurden 96 Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt, für die intelligente Instandhaltung ein zunehmend bedeutendes Thema ist.

Vier Prozent greifen präventiv ein

Demnach verfügen die meisten Unternehmen über keine oder nur eine sehr schwache Datenbasis, die Auskunft über bald auftretende Störungen oder die Notwendigkeit von Instandhaltungsmaßnahmen geben könnte. So gaben 57 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Elemente in der Fabrik erst dann instandgehalten werden, wenn ein Problem bereits aufgetreten ist. Echtzeitdaten, um Systeme besser zu überwachen und präventiv einzugreifen, nutzen nur vier Prozent.

Das Wissen darüber, wie Elemente in einer Fabrik gewartet und überprüft werden können, steckt häufig in den Köpfen von einzelnen Mitarbeitern. Dieses Wissen sollte dokumentiert und anderen Beschäftigten bereitgestellt werden – etwa in Form eines Wikis – um auch im Falle eines Personalausfalls reagieren zu können. Wie aus der Studie hervorgeht, geschieht dies in 27 Prozent der Unternehmen nicht: Individuelles Instandhaltungswissen wird dort bei Bedarf mündlich weitergegeben. In 32 Prozent der Unternehmen wird Wissen in Papierform bereitgestellt, standardisierte Prozesse zur Wissenserweiterung gibt es jedoch nicht.

Wissen erweiteren

(Bild: Acatech – Dt. Akademie der Technikwissenschaften)

Vorhandenes personenbezogenes Wissen sollte nicht nur dokumentiert, sondern auch kontinuierlich erweitert werden ? gerade, da durch neue technische Innovationen die Arbeitsabläufe verbessert werden können. Dennoch bietet mehr die Hälfte (53 Prozent) der befragten Unternehmen keine speziellen Schulungsmaßnahmen im Bereich Digitalisierung für erfahrene Mitarbeiter an. Im Falle auftretender Komplikationen werden sie stattdessen von Kollegen, die über eine entsprechende Expertise verfügen, unterstützt.

Bestimmte Aufgaben bei der Instandhaltung können heute mithilfe von Augmented Reality (AR) oder Virtual Reality (VR) erledigt werden. Diese Technologien können beispielsweise bei Schulungen und der gemeinsamen Bearbeitung von Aufgaben bei räumlicher Trennung der Mitarbeiter eingesetzt werden. Im Rahmen der Studie nutzt diese Möglichkeit jedoch nur jedes 20. Unternehmen.

„Die Bedeutung der Smart Maintenance für die Smart Factory konnten Acatech und das Fraunhofer IML über die letzten Jahre hinweg deutlich machen und in die Köpfe wesentlicher Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bringen. Dennoch zeigt die Umfrage, dass nach wie vor viele Unternehmen der Instandhaltungsorganisation eine zu niedrige Priorität einräumen. Die neue Studie macht nun deutlich, welchen Wertbeitrag Smart Maintenance leisten kann, wie sie erreicht werden kann und wie dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland weiterhin gesichert wird“, sagt Michael Henke, Institutsleiter Fraunhofer IML und Leiter des Projekts „Smart Maintenance – Der Weg vom Status quo zur Zielvision.“

Thematik: Allgemein
Ausgabe:
www.acatech.de

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG
Bild: ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG
Retrofit-Event rund um effiziente Gebäudetechnik

Retrofit-Event rund um effiziente Gebäudetechnik

Das RLT-Event Retrofitvesper von EBM-papst geht in eine neue, vierte Runde. Passend zur Nummerierung 4.0 nehmen die Experten das Publikum mit in die Welt der fortschrittlichen Gebäudetechnik und -automation, die effizient für beste Raumluftqualität sorgt und sofort alle wichtigen Daten und Energiebilanzen darstellt. Das Event findet am 30. September 2022 auf der digitalen Eventplattform von EBM-papst statt.

Bild: Indu-Sol GmbH
Bild: Indu-Sol GmbH
Verschleiß dauerhaft überwachen, Schäden frühzeitig erkennen

Verschleiß dauerhaft überwachen, Schäden frühzeitig erkennen

Nicht nur Motoren und Pumpen sind in Produktionsanlagen dem Verschleiß unterworfen, sondern auch die Datenleitungen der Maschinen- und Anlagennetzwerke einschließlich der Kabel und Stecker. Dauernde Wechselbiegebeanspruchungen, Erschütterungen sowie Oxidation und Korrosion lassen der Alterung und dem Verschleiß ungehinderten Lauf. Doch während der mechanische Verschleiß mit den Sinnesorganen analog wahrnehmbar ist, macht sich der Verschleiß einer Datenleitung erst im Extremfall bemerkbar: dem Ausfall. Um dem entgegenzuwirken, sind intelligente managed Switches vonnöten, mit denen der physikalische Zustand der Datenleitung digitalisiert und somit sichtbar wird.

Bild: ©Chlorophylle/stock.adobe.com
Bild: ©Chlorophylle/stock.adobe.com
Steigendes Interesse an Ersatzteilmanagement auf Knopfdruck

Steigendes Interesse an Ersatzteilmanagement auf Knopfdruck

Volle Auftragsbücher und dennoch Sorgenfalten im mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau aufgrund brüchiger Lieferketten, dazu Entlassungswellen und zunehmende Zurückhaltung bei Investitionen in junge Technologieunternehmen: Der Wind wird rauer. Zugleich aber zeigen vor allem junge B2B-Plattformanbieter wie PartsCloud auch in der Krise ein robustes Wachstum, da sie viele der aktuell im Fokus stehenden Herausforderungen adressieren.